Sinkende Arbeitslosenzahlen sind nicht immer ein Grund zum Jubeln

Sinkende Arbeitslosenzahlen sind nicht immer ein Grund zum Jubeln

Irgendwie passen sie zusammen, die Nachrichtenmeldungen der vergangenen Tage: Firmen holen Rentner zurück in ihre Unternehmen und Arbeitslosigkeit in Thüringen sinkt wieder. Zumindest letztere Meldung veranlaßt die politisch Verantwortlichen zum gegenseitigen Schulterklopfen. Was hat man nicht alles erreicht, meint man. Die vermeintlich niedrigen Arbeitslosenzahlen haben allerdings am wenigsten mit dem Tun und Handeln der im Landtag vertretenen Parteien und der Regierungsverantwortlichen zu tun. Wenn es politische Ursachen dafür gibt, daß sich beispielsweise erneut am Industriegebiet Erfurter Kreuz Unternehmen ansiedelten, dann sind es auch die niedrigen Löhne im Freistaat Thüringen. „Wenn schon ein deutscher Standort dann Thüringen“, sagen sich wohl einige Unternehmen, die hierfür, wie ein bekannter Buchvertrieb, dafür eigens ihre Standorte in Baden-Württemberg vollständig aufgeben. Was die Lieberknechts, Machnigs, Matschies und Reinholz sonst noch so dazu beigetragen haben, ist nicht bekannt. Für die zentrale Lage Thüringens und die verkehrstechnische Anbindung können sie bekanntlich nichts bis wenig. Am Rande sei an dieser Stelle erwähnt, daß nahezu alle sich ansiedelnden Unternehmen übereinstimmend erklären, daß für sie auch das Fachkräfteangebot in Thüringen mitentscheidend gewesen ist. Das widerspricht mindestens in Teilen den offiziellen Verlautbarungen vom Fachkräftemangel, der schließlich einzig und allein durch den Zuzug von Ausländer gelöst werden könne. Recht behalten soll man aber hinsichtlich des Fachkräftemangels, daß das derzeitige Bildungssystem immer weniger Menschen schafft, die über ausreichend Deutschkenntnisse und Grundwissen verfügen, das für eine Ausbildung ausreicht. Von den altbekannten deutschen Tugenden ganz zu schweigen…

Aber zurück zur Arbeitslosigkeit. Wenn nun schon, auch ohne Heraufsetzung des Renteneintrittsalters auf schrittweise bis zu „75“ Jahren, immer mehr Unternehmen dazu übergehen, Rentner wieder ins Berufsleben zu holen, können wir doch leicht auf einen Grund für die Arbeitslosenzahlen schließen. Immer weniger Menschen leben in Thüringen. Die Abwanderung sank zwar in der jüngsten Vergangenheit, aber auch hier liegt keine Folgewirkung politischen Handelns vor, sondern die Antwort auf die Frage: Wer soll, nachdem die geburtenschwachen Jahrgänge im Berufsleben angekommen sind, überhaupt noch abwandern? Würde man eine fiktive Mauer um Thüringen ziehen, würde man auch ohne Adam Ries auf eine viel höhere Arbeitslosenquote kommen.  Zumal dann auch die rund 130.000 Auspendler daheim bleiben müssten und hier entweder „prekär“ arbeiten oder daheim auf „Jobangebote“ ihrer Arbeitsagentur warten müßten. Und wenn man dann noch obendrauf all jene rechnen würde, die durch vollkommen legale Taschenspielertricks aus der offiziellen Arbeitslosenstatistik herausgerechnet werden, ja dann, wäre auch in den veröffentlichten Meldungen und Statistiken die Massenarbeitslosigkeit kein Phänomen mehr.

Gebetsmühlenartig kann nur immer wieder die Frage wiederholt werden: Wie soll es weitergehen? Wenn heute schon Rentner ihren eigentlich wohlverdienten Ruhestand mit Arbeit verbringen müssen, wer soll dann in 30 oder 50 Jahren die anfallende Arbeit erledigen? Wenn man auf Geburten und Familie setzen würde, wüßte ich, wer. Aber wenn es so weitergeht, werden ich und Sie das wohl mit 70, 85 oder 90 Jahren tun müssen!?

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